Neuer Maßstab für gute Pflegeberatung?

70 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen werden statistisch betrachtet daheim versorgt, bei zwei Dritteln übernehmen ihre Angehörigen die Pflege. Doch wie können sie und Pflegebe-dürftige die Qualität von Pflegeberatung und ambulanten Diensten bewerten? Und was macht eine gute Pflegeberatung aus? Antworten auf diese Fragen gibt jetzt ein neuer „Qualitätsrah-men“, der Thema beim Bremer Pflegekongress von Mittwoch bis Freitag, 10. bis 12. Mai, in der Messe Bremen und im Congress Centrum Bremen sein wird. Zeitgleich lädt dort der Deutsche Wundkongress (DeWu) rund 5000 Ärzte, Pflegende und Mitarbeiter aus der Gesundheitsbranche zu Austausch und Fortbildung ein.

„Die Pflege zu Hause ist die häufigste Versorgungskonstellation in Deutschland“, sagt Claudia Oetting-Roß, Nachwuchsprofessorin für klinische Pflegeforschung an der Fachhochschule Münster. Insbesondere durch die jüngste Pflegereform hat die häusliche Pflege eine deutliche Stärkung erfahren. Dies stelle die Betroffenen und ihre Familien oft vor Fragen – trotz vielfälti-ger Pflegeberatungsangebote. „Die Ursache liegt darin, dass Abläufe, Inhalte und Qualität der Beratung bisher nicht verbindlich geregelt sind“, so Oetting-Roß. Dies solle sich nun mit einem neuen Qualitätsrahmen des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) ändern, der auf einem Forschungsprojekt beruht. „Der Qualitätsrahmen liefert Hinweise dazu, wie durch gute Beratung häusliche Pflegearrangements gestärkt werden können“, sagt Oetting-Roß, „entscheidend ist unter anderem die Kompetenz der Berater, aber auch ihre Beziehung zum Ratsuchenden.“ In Bremen stellt sie zentrale Erkenntnisse aus dem Rechercheprozess vor.

Rund 125 Sitzungen stehen auf dem dreitägigen Programm des Doppelkongresses, darunter Vorträge und Workshops zu den verschiedenen Schwerpunkten oder die interdisziplinäre Fall-diskussion „4 für alle Fälle“, bei der ein interdisziplinäres Expertenteam zusammen mit dem Publikum außergewöhnliche Fälle bespricht, bis diese aufgeklärt sind und das Wundmanage-ment festgelegt ist.

Während beim 12. Bremer Pflegekongress das Kernthema „Kommunikation“ lautet, rückt der 11. DeWu unter anderem Themen wie „Onkologie“, „Verbrennungen“ oder „Raritäten“ in den Fokus. Ein Thema hier lautet „Wundraritäten bei jungen Menschen“, bei dem seltene Wunden im Kindes- und Jugendalter und deren besondere Therapien vorgestellt werden. Neben einer chronischen, blasenbildenden Autoimmunerkrankung, dem sogenannten bullösen Pemphigoid, stellt Norbert Kolbig, Wundmanager am Universitätsklinikum Düsseldorf, den Fall eines
achtjährigen Jungen vor, der seit einer Knochenmarktransplantation an der Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD) leidet. „Bei dieser Erkrankung richtet sich das Immunsystem des Spenders gegen Körperzellen des Empfängers“, sagt Kolbig. Davon betroffen seien meistens Herz und Leber, aber auch die Haut. „Bei dem achtjährigen Jungen aus unserem Fallbeispiel ist die Haut an Händen und Füßen aufgeplatzt“, berichtet Kolbig. Nur eine lokale Wundtherapie mit Wund-auflagen sei hier der falsche Ansatz, erklärt der Wundmanager: "Hier ist zusätzlich eine syste-mische Therapie mit Medikamenten notwendig." Weitere Probleme der Erkrankung erläutert Kolbig in seinem Vortrag.

Der Deutsche Wundkongress und Bremer Pflegekongress finden von Mittwoch bis Freitag, 10. bis 12. Mai, in der Messe Bremen und im Congress Centrum Bremen statt. Mehr Infos unter www.deutscher-wundkongress.de und www.bremer-pflegekongress.de.

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