Die Zukunft der Pflege und der Wundversorgung

Knapp drei Millionen Deutsche sind pflegebedürftig, aber es gibt nicht genug Fachkräfte, um sie zu versorgen. So weist der Pflegebericht der Bundesregierung für 2015 rund 20.000 offene Stellen allein in der Altenpflege aus – trotz steigender Ausbildungszahlen. Abhilfe soll die Zu-sammenlegung der bisher getrennten Ausbildungen zum Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger schaffen. „Die Hoffnung war, dass es so zu einem einheitlichen Verständnis von Pflege und auch zu einer Aufwertung des schlechter bezahlten Altenpflegeberufs kommt“, erklärt Sabine Muths, Pflegewissenschaftlerin an der Universität Bremen. Inzwischen hat sich der Koalitionsausschuss der Bundesregierung auf einen Kompromissvorschlag zum Pflegeberufsgesetz geeinigt. Wie dieser zu bewerten ist, darüber diskutieren Muths und weitere Experten im Rahmen einer Podiumsdiskussion beim 12. Bremer Pflegekongress, der gemeinsam mit dem Deutschen Wundkongress (DeWu) von Mittwoch bis Freitag, 10. bis 12. Mai in der Messe Bremen und im Congress Centrum Bremen stattfindet. Rund 5.000 Pflegende, Ärzte und Mitarbeiter aus der Gesundheitsbranche treffen sich dann zu Austausch und Fortbildung.

70 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen werden statistisch betrachtet daheim versorgt, bei zwei Dritteln übernehmen ihre Angehörigen die Pflege. Doch wie können sie und Pflegebedürftige die Qualität von Pflegeberatung und ambulanten Diensten bewerten? Und was macht eine gute Pflegeberatung aus? Antworten auf diese Fragen gibt ein neuer „Qualitätsrahmen“, der beim Bremer Pflegekongress vorgestellt wird.

„Die Pflege zu Hause ist die häufigste Versorgungskonstellation in Deutschland“, sagt Claudia Oetting-Roß, Nachwuchsprofessorin für klinische Pflegeforschung an der Fachhochschule Münster. Dies stelle die Betroffenen und ihre Familien oft vor Fragen – trotz vielfältiger Pflegeberatungsangebote. „Die Ursache liegt darin, dass Abläufe, Inhalte und Qualität der Beratung bisher nicht verbindlich geregelt sind“, so Oetting-Roß. Dies solle sich nun mit dem Qualitäts-rahmen des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) ändern, der auf einem Forschungsprojekt beruht. Entscheidend sei unter anderem die Kompetenz der Berater, aber auch ihre Be-ziehung zum Ratsuchenden.

Rund 125 Sitzungen stehen auf dem dreitägigen Programm des Doppelkongresses, darunter Vorträge und Workshops zu den verschiedenen Schwerpunkten oder die interdisziplinäre Falldiskussion „4 für alle Fälle“, bei der ein interdisziplinäres Expertenteam zusammen mit dem Publikum außergewöhnliche Fälle bespricht, bis diese aufgeklärt sind und das Wundmanagement festgelegt ist.

Der 11. DeWu setzt sich mit Themen wie „Onkologie“, „Verbrennungen“ oder „Raritäten“ auseinander. Eine Sitzung ist den „Wundraritäten bei jungen Menschen“ gewidmet, in der seltene Wunden im Kindes- und Jugendalter und deren besondere Therapien vorgestellt werden. Norbert Kolbig, Wundmanager am Universitätsklinikum Düsseldorf, stellt den Fall eines achtjährigen Jungen vor, der seit einer Knochenmarktransplantation an der Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD) leidet. „Bei dieser Erkrankung richtet sich das Immunsystem des Spenders gegen Körperzellen des Empfängers“, sagt Kolbig. „Bei dem Jungen aus unserem Fallbeispiel ist die Haut an Händen und Füßen aufgeplatzt“. Die Behandlung und weitere Probleme der Erkrankung erläutert Kolbig in seinem Vortrag.

Mehr Infos unter www.deutscher-wundkongress.de und www.bremer-pflegekongress.de.

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